“Diese wunderbare Welt, in der wir leben, ist eher erstaunlich als bequem, eher schön als nützlich, eher ein Gegenstand der Andacht als der Ausbeutung. Die Ordnung der Dinge sollte daher geändert werden: der siebte Tag sollte der Tag der Arbeit sein, der Tag, an dem wir unseren Lebensunterhalt im Schweiße unseres Angesichts verdienen. Die übrigen sechs Tage sollten festliche Tage der Liebe und der Seele werden - eine Zeit, in der wir durch diesen weiten Garten streifen, um uns den sanften Einflüssen und subtilen Eingebungen der Natur zu überlassen.“
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Medium: Broschiert Erschienen: 1996
Tewes Verlagsbuchhandlung Seiten: 286 Seiten
ISBN: 3980225712
Preis: 19,90 Euro inklusive Versand
Erstmalig auf deutsch erhältlich, stellt diese Ausgabe die bisher einzige Auswahl aus Thoreaus Tagebüchern dar. Ausgewählte Texte aus der ca. 7000-seitigen Orginialausgabe übersetzt und zusammengestellt von Susanne Schaup.
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Thoreau im Alter
von 39 Jahren.
Henry David Thoreau (1817-1862),
amerikanischer Schriftsteller und Philosoph, lebte in Concord, Massachusetts. Sein Werk „Walden oder Leben in den Wäldern“ (Walden: or, live in the woods) gibt einen Bericht über das Experiment, sein Leben abseits der Gesellschaft, einfach, bewusst und im Einklang mit der Natur zu führen, ein Klassiker und Kultbuch alternativer Lebensformen.

Seine fundamentale Kritik an politischen
Institutionen formuliert Thoreau in der Schrift „Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“.
Sein gewaltloser Widerstand hat Gandhi und
Martin Luther King beeinflusst. Trotz des weiten zeitlichen Abstandes war Thoreau Vorbild vieler Protestbewegungen des 20. Jahrhunderts. Er
führte zeitlebens Tagebuch, Grundlage aller späteren Werke, die heute zur Weltliteratur zählen.

Thoreau lebte wie er dachte - seine einfache und bewusste Lebensweise fasziniert viele Menschen bis auf den heutigen Tag.
Thoreaus Hütte am Waldensee
Thoreaus Hütte
am Waldensee.

„Ich habe so oft den Frühling, Sommer, Herbst und Winter durchlebt, als hätte ich nichts anderes zu tun, als zu leben. Ich hätte den ganzen Herbst damit zubringen können, die sich wandelnde Färbung des Laubes zu beobachten.“
(Tagebücher 19.09. 1854)

Schon seltsam, dass da jemand behauptet, er habe im Leben nichts Wichtigeres zu tun, als zu leben und dann scheinbar sehr unwichtige Sachen, wie die sich wandelnden Farben des Laubes, zum Inhalt seines Lebens macht.

Mit 16 Jahren
nahm Thoreau an der Harvard-University ein Studium der Philosophie und Literatur auf; später verließ er freiwillig den Schuldienst, weil er nicht bereit war, sich der üblichen Prügelpädagogik zu unterwerfen.
Er führte ein Leben als Einzelgänger, unverheiratet, Querkopf und Querdenker, Gesellschaftskritiker, Naturbeobachter und war,
von heute aus gesehen, ein Pionier für Umweltschutz und alternative Lebensweise, unangepasst und bedürfnislos, sensibel und geduldig.

In den Augen seiner Mitbürger war Thoreau ein Faulpelz, der allerdings, ohne dass es jemandem sonderlich aufgefallen wäre, in seiner Dach- kammer einige Werke der Weltliteratur verfasste. „Gearbeitet“ hat er selten, nie länger als sechs Wochen im Jahr, meistens als Landvermesser
und Bleistifthersteller. Er hatte keine Zeit zum Arbeiten. Er hatte Wichtigeres zu tun. Er benötigte all seine Zeit, um intensiv zu leben.


Einer seiner berühmten Zeitgenossen, der
Schriftsteller Nathaniel Hawthorne, machte im
September 1842 – Thoreau war damals 25 Jahre
alt – folgende Eintragung in sein Tagebuch:

„Mr. Thoreau war gestern Abend bei uns zum Dinner.
Er ist ein einzigartiger Charakter, in dem noch viel
wilde, originale Natur
verblieben ist. Er ist ein
eifriger und feinfühliger Naturbeobachter, und die
Natur scheint ihn im Gegenzug für seine Liebe als
ihr besonderes Kind zu adoptieren und zeigt ihm
Geheimnisse, die wenig andere erspähen dürfen.

Er ist bekannt mit Tier, Fisch und Reptil und er weiß merkwürdige Geschichten über Abenteuer und freundliche Begegnungen mit diesen niederen Brüdern der Sterblichkeit zu erzählen. Kraut und Blume sind jedenfalls seine nahen Freunde.
Intim ist er auch mit den Wolken und kennt die Vorankündiger von Gewittern. – Ein charakteristischer Zug ist, dass er sich so sehr um das Andenken an die Indianerstämme kümmert, deren wildes Leben ihm zugemessen gewesen wäre; und eigenartig, er geht selten über ein gepflügtes Feld, ohne Pfeil-
und Speerspitze oder andere Relikte des roten Mannes aufzusammeln – als ob dessen Geist ihn zum Erben seines einfachen Reichtums bestimmt hätte.“
Die Gedenkstätte
für Henry David
Thoreau am
Waldensee in
Concord,
Massachuesets

Mit 27 Jahren, am Unabhängigkeitstag, dem 04. Juli 1845, verläßt Thoreau Concord und zieht in eine selbstgebaute Hütte am Waldensee, wenige Kilometer von Concord entfernt. Dort will er sich
dem Leben ausliefern, sich einer radikalen Selbsterfahrung stellen, und, wenn möglich, sein gesamtes Dasein neu formulieren und
Grundsätze einer authentischen Lebensweise finden:

„Ich zog in die Wälder, weil ich bewusst leben,
mich nur mit den wesentlichen Dingen des Lebens auseinandersetzen und zusehen wollte, ob ich das nicht lernen konnte, was es mich zu lehren hatte, um nicht auf dem Sterbebett einsehen zu
müssen, dass ich nicht gelebt hatte.

Ich wollte nicht das leben, was kein Leben war,
denn das Leben ist so kostbar; noch wollte ich Entsagen üben, wenn es nicht unumgänglich nötig war. Ich wollte tief leben, alles Mark des Lebens aussaugen und so standhaft und spartanisch
leben, um alles, was nicht Leben war, davonzujagen“ (Walden, S. 98).

Eine Grundfigur in Thoreaus Leben und Denken ist die Verweigerung. Er ist weder bereit, sich in die heraufziehende Arbeitsgesellschaft einzureihen, noch gewillt, die gängigen moralischen Standards
zu übernehmen.

„Leben ohne Prinzipien“, lautet ein posthum veröffentlichter Essay. Wenn Thoreau allerdings
von einem Leben ohne Grundsätze spricht, tut er das als Mensch von Grundsätzen. Sein Prinzip ist nicht Prinzipienlosigkeit, sondern eine Absage an
die Konventionen seiner Zeit
.
Ein Leben nach den Regeln des gesunden Menschenverstandes ödet ihn an. Grundsätzliches Ziel seiner Verweigerung ist es, bevormundende Ansprüche zurückzuweisen; freien Raum für sich selbst zu gewinnen, einen Raum, den das Individuum benötigt, um darin selbstverantwortlich leben zu können. In seinen Werken geht geradezu ein Feuerwerk blitzender Imperative nieder: „Wachse wild - beaufsichtige dich nicht ständig - geh deinen Ahnungen nach - lass nichts zwischen dich und das Licht treten - sei nicht geizig mit dir – jage deinem Leben nach – respektiere die Menschen nur als Brüder – genieße das Land, doch besitze es nicht – sei mit Entschlossenheit, was du bist – lass die Gesellschaft nicht das Element sein, in dem du schwimmst – arbeite mehr an dir selbst – mach deinen Lebensunterhalt nicht zu deiner Arbeit, sondern zum Spiel – vereinfache dein Leben – tu, was du wirklich liebst – koste die Welt aus und verwandle sie dir an – lass dich vom Schoss der Erde tragen – nimmt dich in Zucht, um dich der Liebe hinzugeben.“

Insgesamt Appelle, die er an sich selbst, an jeden richtet und deren Quintessenz stets darauf hinausläuft: Führe ein dir entsprechendes Leben, biete deine gesamte Kraft und Kunst auf, um dem Leben und seiner Fülle Stand zu halten, entwickle eine dir entsprechende Lebenskunst.

Thoreaus Leben ist nicht denkbar ohne sein politisches Engagement. Im Sommer 1846, während er noch in Walden lebte, weigerte er sich, die längst fällige – zwar niedrige – sogenannte „Kopfsteuer“ zu entrichten, die dazu diente, den seiner Ansicht nach ungerechten Krieg der Vereinigten Staaten gegen Mexiko zu finanzieren. Der zuständige Polizeibeamte, übrigens ein Freund Thoreaus, forderte ihn letztmalig auf, die Zahlung zu leisten. Er war sogar bereit, sie ihm persönlich vorzustrecken. Thoreau lehnte ab. Der Mann verhaftete ihn schließlich, und Thoreau verbrachte die Nacht im Gefängnis. Nachts soll sein väterlicher Freund Emerson ihn dort besucht haben. Er soll ihn gefragt haben: „Henry, warum bist Du hier?“ Thoreau entgegnete: „Waldo, warum bist Du nicht hier?“ -

In seiner Schrift „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ verarbeitete er diese Erfahrung: „Muss der Bürger auch nur einen Augenblick, auch nur ein wenig, sein Gewissen dem Gesetzgeber überlassen? Wozu hat denn dann jeder Mensch ein Gewissen? Ich finde, wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit“ (Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, S. 15).
Grabstein von
Henry David
Thoreau auf dem
Friedhof in
Concord
Henry David Thoreau wurde 44 Jahre alt. Die letzte Eintragung in sein Tagebuch machte er am 3. November 1861. Wenige Monate später, am 6. Mai 1862, starb er an Tuberkulose.

Henry Miller schrieb über ihn: „Es gibt kaum ein Dutzend Namen in der Geschichte Amerikas, die mir etwas bedeuten. Thoreau ist einer von ihnen. Er war jene Art von Menschen, die, gäbe es mehr von ihrer Sorte, bald alle Regierungen überflüssig machen würde. Dies ist meines Erachtens die höchste Entwicklungsform des Menschen, die eine Gesellschaft hervorbringen kann. Und deshalb
zolle ich Thoreau grenzenlose Achtung und Bewunderung.“ (Henry Miller, Von der Unmoral der Moral und andere Texte, rororo 4396).
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