“Diese wunderbare Welt, in der wir leben, ist eher erstaunlich als bequem, eher schön als nützlich, eher ein Gegenstand der Andacht als der Ausbeutung. Die Ordnung der Dinge sollte daher geändert werden: der siebte Tag sollte der Tag der Arbeit sein, der Tag, an dem wir unseren Lebensunterhalt im Schweiße unseres Angesichts verdienen. Die übrigen sechs Tage sollten festliche Tage der Liebe und der Seele werden - eine Zeit, in der wir durch diesen weiten Garten streifen, um uns den sanften Einflüssen und subtilen Eingebungen der Natur zu überlassen.“
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Medium: Broschiert Erschienen: 1996
Tewes Verlagsbuchhandlung Seiten: 286 Seiten
ISBN: 3980225712
Preis: 19,90 Euro inklusive Versand
Erstmalig auf deutsch erhältlich, stellt diese Ausgabe die bisher einzige Auswahl aus Thoreaus Tagebüchern dar. Ausgewählte Texte aus der ca. 7000-seitigen Orginialausgabe übersetzt und zusammengestellt von Susanne Schaup.
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Leseproben von Henry David Thoreau: Aus den Tagebüchern 1837 - 1861
 
„Heute sah ich einen Fuchs mit der Sorglosigkeit der Freiheit über einen zugefrorenen See laufen. Als ich von Zeit zu Zeit seine Spur im Sonnen- schein verfolgte, wie er den Kamm eines Hügels entlang trabte, kam es mir vor, als hätte die Sonne nie so fröhlich und hell auf den Hang heruntergeschienen und als wären Winde und Wälder aus Sympathie verstummt. Da übergab
ich ihm Sonne und Erde als ihrem wahren
Besitzer. Er lief nicht in der Sonne, sondern es
war, als ob diese ihm folgte. Es bestand sichtlich eine Sympathie zwischen beiden.“ (S. 43)


„Solange ich die Freundschaft der Jahreszeiten genieße, vertraue ich darauf, dass mir das
Leben nicht gänzlich zur Last werden kann.“
(S. 55)


„Heute nachmittag war die Luft unbeschreiblich
klar und belebend, und obwohl das Thermometer Kälte angezeigt hatte, dachte ich, es herrsche
eine subtilere und reinere Wärme als im Sommer, eine gesunde, geistige Wärme, in welcher der Körper sich am Behagen des Geistes erwärmte. Diese Wärme hatte kaum etwas Sinnliches, sondern es war vielmehr die Lust am Dasein.“
(S. 73)
„Wir leben unser Leben nicht voll aus. Wir durchdringen nicht alle unsere Poren mit unserem Blut. Wir atmen nicht aus voller Brust. Wir leben
nur einen Bruchteil unseres Lebens. Warum lassen wir die Flut nicht herein, öffnen die Schleusen und setzen all unsere Räder in Bewegung? Wer Ohren hat, der höre. Bediene dich deiner Sinne.“ (S. 80)


„Manchmal möchte ich zu einer beschwerlichen, ernstzunehmenden Wanderung aufbrechen, ein wesentlicheres Leben führen, eine tiefe Erfahrung machen, mich bei Hitze und Kälte, Tag und Nacht
im Freien aufhalten; mehr leben, mehr Luft verbrauchen, mich ermüden. Doch dann stellt sich rasch der Gedanke ein: Schweife nicht so weit ab
von deinen Wegen um eines echteren Lebens willen, sondern halte dich an den Pfad, den dein Genius
dir weist. Tu die Dinge, die dir am nächsten liegen, aber schwierig sind. Lebe ein ursprünglicheres, bewussteres und mühevolleres Leben, sei wahr- haftiger zu deinen Freunden und Nachbarn, sei nachsichtiger und großzügiger. Das wäre besser als ein stürmischer Aufbruch.“ (S. 118)


„Die Seele inspiziert nicht, sondern sie betrachtet. Wie die Lilie oder der Kristall im Felsen schaut sie ins Angesicht des Himmels.“ (S. 38)
„Ein breiter Rand von Muße ist im Leben eines Menschen ebenso schön wie in einem Buch. Blinder Eifer schadet, das gilt für das Leben ebenso wie für den Haushalt. Wahre die Zeit, halte dich an die Stunden des Universums, nicht an den Fahrplan. Was sind siebzig hastig und grob gelebte Jahre gegen die Augenblicke göttlicher Muße, in denen sich dein Leben mit dem des Universums vereinigt? Wir leben zu schnell und zu grob, ebenso wie wir zu schnell essen und den wahren Geschmack unserer Speisen nicht kennen.“ (S. 131)


„Der dünne Schnee, der jetzt von Norden weht und auf meinem Mantel liegen bleibt, besteht aus schönen Kristallsternen, nicht aus wattigen, plumpen Speichen wie neulich, sondern aus schlanken und teilweise durchsichtigen Kristallen. Sie haben einen Durchmesser von etwa zwei Millimetern, vollendete kleine Rädchen ohne
Felgen oder vielmehr sechs farnartige, von einer geraden, schlanken Mittelrippe geteilten Blättchen, die strahlenförmig um den Mittelpunkt stehen.
Zu beiden Seiten der Mittelrippen befindet sich jeweils ein durchsichtiges Blättchen mit einem ziselierten Rand. Wie ist die Luft, die sie erzeugt, voller Schöpfergeist! Meine Bewunderung wäre nicht größer, wenn wirkliche Sterne hernieder fielen und sich auf meinen Mantel setzten. Die Natur ist voller Genie, voll Göttlichkeit, so dass auch nicht eine Schneeflocke ihrer formenden Hand entgeht.
Nichts ist schäbig oder roh, weder die Tautropfen noch die Schneeflocken. Bald wird der Sturm heftiger – und der Schnee fällt feiner, weißer
und pulvriger.“ (S. 175)
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