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„Heute sah ich einen Fuchs mit der Sorglosigkeit
der Freiheit über einen zugefrorenen See laufen.
Als ich von Zeit zu Zeit seine Spur im Sonnen-
schein verfolgte, wie er den Kamm eines Hügels
entlang trabte, kam es mir vor, als hätte die
Sonne nie so fröhlich und hell auf den Hang
heruntergeschienen und als wären Winde und
Wälder aus Sympathie verstummt. Da übergab
ich ihm Sonne und Erde als ihrem
wahren
Besitzer. Er lief nicht in der Sonne,
sondern es
war, als ob diese ihm folgte. Es
bestand sichtlich eine Sympathie zwischen
beiden.“
(S. 43)
„Solange ich die Freundschaft der Jahreszeiten
genieße, vertraue ich darauf, dass mir das
Leben nicht gänzlich zur Last werden kann.“
(S. 55)
„Heute nachmittag war die Luft unbeschreiblich
klar und belebend, und obwohl das Thermometer
Kälte angezeigt hatte, dachte ich, es herrsche
eine subtilere und reinere Wärme als im Sommer,
eine gesunde, geistige Wärme, in welcher der
Körper sich am Behagen des Geistes erwärmte.
Diese Wärme hatte kaum etwas Sinnliches,
sondern es war vielmehr die Lust am Dasein.“
(S. 73) |
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„Wir leben unser Leben nicht voll aus. Wir
durchdringen nicht alle unsere Poren mit unserem
Blut. Wir atmen nicht aus voller Brust. Wir leben
nur einen Bruchteil unseres Lebens. Warum lassen
wir die Flut nicht herein, öffnen die Schleusen und
setzen all unsere Räder in Bewegung? Wer Ohren
hat, der höre. Bediene dich deiner Sinne.“
(S. 80)
„Manchmal möchte ich zu einer beschwerlichen,
ernstzunehmenden Wanderung aufbrechen, ein
wesentlicheres Leben führen, eine tiefe Erfahrung
machen, mich bei Hitze und Kälte, Tag und Nacht
im Freien aufhalten; mehr leben, mehr Luft
verbrauchen, mich ermüden. Doch dann stellt sich
rasch der Gedanke ein: Schweife nicht so weit ab
von deinen Wegen um eines echteren Lebens willen,
sondern halte dich an den Pfad, den dein Genius
dir weist. Tu die Dinge, die dir am nächsten liegen,
aber schwierig sind. Lebe ein ursprünglicheres,
bewussteres und mühevolleres Leben, sei wahr-
haftiger zu deinen Freunden und Nachbarn, sei
nachsichtiger und großzügiger. Das wäre besser
als ein stürmischer Aufbruch.“ (S. 118)
„Die Seele inspiziert nicht, sondern sie betrachtet.
Wie die Lilie oder der Kristall im Felsen schaut sie
ins Angesicht des Himmels.“ (S. 38)
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„Ein breiter Rand von Muße ist im Leben eines
Menschen ebenso schön wie in einem Buch. Blinder
Eifer schadet, das gilt für das Leben ebenso wie für
den Haushalt. Wahre die Zeit, halte dich an die
Stunden des Universums, nicht an den Fahrplan.
Was sind siebzig hastig und grob gelebte Jahre
gegen die Augenblicke göttlicher Muße, in denen
sich dein Leben mit dem des Universums vereinigt?
Wir leben zu schnell und zu grob, ebenso wie wir zu
schnell essen und den wahren Geschmack unserer
Speisen nicht kennen.“ (S. 131)
„Der dünne Schnee, der jetzt von Norden weht und
auf meinem Mantel liegen bleibt, besteht aus
schönen Kristallsternen, nicht aus wattigen,
plumpen Speichen wie neulich, sondern aus
schlanken und teilweise durchsichtigen Kristallen.
Sie haben einen Durchmesser von etwa zwei
Millimetern, vollendete kleine Rädchen ohne
Felgen oder vielmehr sechs farnartige, von einer
geraden, schlanken Mittelrippe geteilten Blättchen,
die strahlenförmig um den Mittelpunkt stehen.
Zu beiden Seiten der Mittelrippen befindet sich
jeweils ein durchsichtiges Blättchen mit einem
ziselierten Rand. Wie ist die Luft, die sie erzeugt,
voller Schöpfergeist! Meine Bewunderung wäre nicht
größer, wenn wirkliche Sterne hernieder fielen und
sich auf meinen Mantel setzten. Die Natur ist voller
Genie, voll Göttlichkeit, so dass auch nicht eine
Schneeflocke ihrer formenden Hand entgeht.
Nichts ist schäbig oder roh, weder die Tautropfen
noch die Schneeflocken. Bald wird der Sturm
heftiger – und der Schnee fällt feiner, weißer
und pulvriger.“ (S. 175) |
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